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Mood just mute // Kolumne.10.

Der Titel kommt nicht von ungefähr, eigentlich liegt dieser sogar sehr nahe. Meine Stimme hat sich kürzlich für einen Moment der Ruhe verabschiedet. Stimmbänder haben eben auch ihre Sorgen und mir nichts dir nichts fallen die Gedanken mit ihren rhizomartigen Strukturen auf diese und lähmen ihre Schwingungen. So zumindest meine Interpretation der Analyse von Frau Doktor. Was tun? Genau, nichts! Und was mir schon im Savasana mehr Kraft kostet als all die Yogiminuten zuvor, wird nun zur Geduldsprobe.
Ein Wunder. Wir leben in einer Zeit, in der Zeiten kaum mehr eine so große Rolle spielen. Es gibt selten noch die ruhige Abendzeit, in der man sich statt dem Multi- dem Monotasking widmet. Ein Buch zu lesen, ohne dabei gleichzeitig die Feeds dieser Welt zu crawlen, ist eine Herausforderung.

Der Platz auf der Gästeliste der virtuelle Datenwelt gar des Universums ist uns seit Beginn der digitalen Revolution wohl der Liebste. Wie soll auch Revolution und Ruhe in einem Kontext vereint werden? Kaum vorstellbar sich in solch einer Zeit allein der Ruhe zu widmen.

Zeit wird erst dann wieder allgegenwärtig, wenn man vermeintlich „nichts“ mit ihr anzufangen weiß. Die Kunst mich nicht im Verfassen von Listen für den während des Tages auf mich zu kommenden Aufgaben zu verlieren, sondern am Morgen einen Tee zu genießen, nachdem ich ausgeschlafen in meine muun-Robe steige, um mich der Zeichnung des Vorabends erneut zu widmen, klingt romantisch, gar wunderschön – Eben nach dem, was man sich wünscht, wenn man die Zeit dafür nicht hat. Einfach ist jedoch etwas anderes.

Entschleunigung ist aber doch etwas Feines. Während meiner vom Arzt verschriebenen Ruhe und Phase des Schweigens widme ich mich also diesem Thema. Halte mich fern von dem Datendschungel da draußen und dem auf meinem MacBook und überlege mir wie es wohl in anderen Kulturen zu geht, die allein grammatikalisch die Formen der Zeit ausgrenzen, in dem sie nicht wie wir Vergangenes von Zukünftigem unterscheiden und sich dafür umso mehr dem Gegenwärtigen widmen. Natürlich beruht dies rein rational nur auf der sprachlichen Komponente, aber eben auch unsere Sprache ist eine Sprache der Zeichen, die sich mit der oder gar durch die Kultur und der damit verbundenen Lebenseinstellungen verschiedener Länder, Kontinente entwickelt hat.

Versteht mich nicht falsch ich bin ein Verfechter der globalen Vernetzung oder auch der Digitalisierung der Gesellschaft schließlich ermöglicht uns dies so viel. Eben andere Kulturen und Länder zu erfahren ohne weite Reisen auf uns nehmen zu müssen. Eine Art Stabilität des Für- und Miteinanders wird ermöglicht. Der modernen Mensch kann sich Fremdes aneignen und sich so viel mehr zu eigen machen, was ihm sonst verwehrt geblieben wäre, Wissen aufnehmen und täglich frei die Welt forschen. Wir werden toleranter und das ist wundervoll.

Aber es ist ‚an der Zeit‘ auch einmal eine Pause einzulegen, mir wurde sie verschrieben und ich habe gelernt die letzten Tage einmal zu entspannen, loszulassen und erst einmal zu lernen was (offline) Monotasking eigentlich bedeutet in einer Welt in der man 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche mit dem Internet, mit euch, mit der Welt da draußen, verbunden ist.

Ich für meinen Teil arbeite an dem Verständnis von Zeit, dem Fokus im Hier und Jetzt und daran die Wände im meinem Apartment in ‚Golden Poppy‘ [Pantone 16-1462 TCX] zu streichen. Zeit dafür habe ich 24h, 7 Tage die Woche, wie ihr alle.