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16/06/2018 – Ein Gespräch mit Josephine Gaede

Es war mehr ein Gespräch, ein Treffen ja ein Austausch. Weniger ein starres Interview. Josephine kennenzulernen war nicht nur eine Ehre, sondern wundervoll lehrreich und ermutigend. Josephine Gaede hat etwas ins Leben gerufen, was weniger dem heutigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Phänomen des „Gründens“ entspricht, sondern viel mehr der eigentlichen Idee und somit der Leidenschaft etwas „Eigenes“ zu verwirklichen. Dabei folgt Josephine nicht wie so oft üblich einem konstruierten und bis ins letzte Detail durch kalkuliertem Businessplan, sondern verlässt sich neben ihrer Intuition auf das eigentliche Prinzip von Angebot und Nachfrage.
Davon und von so viel mehr hat Josephine uns erzählt. Wie war es Das Cape Mädchen ins Leben zu rufen? Welche Herausforderungen stellten und stellen sich ihr? Wie oft brauchte sie Mut umzudenken, ins kalte Wasser zu springen und wie geht es eigentlich weiter mit der Marke Das Cape Mädchen? Im Gespräch mit Josephine Geade.

„Seit acht Jahren!“ schmunzelt Josephine und kann es selbst kaum fassen. Wir wollen mehr wissen und legen los mit unseren Fragen.

Wie hast du gestartet? Kam zu erst die Idee oder das Produkt?

„Ich glaube ich hatten einen anderen Ablauf oder sagen wir Aufbau. Ich habe in den Ferien in Italien mein erstes Cape ‚kennengelernt‘. Brachte es mit, fand es toll! In meinem Umkreis fanden alle die ersten Capes toll! Mein Vater fuhr damals oft nach Mailand und brachte mir dann eine Kiste voller Capes mit. Es war eine ganz kleine Boutique nähe Comer See. 30 Stück sollten es zu Anfang sein, die kreuz und quer durch die Farbpalette eingepackt wurden.“

Was hast du zu dieser Zeit außerhalb deiner Ferien so gemacht?

„Ich habe eigentlich Jura studiert.“

Spannend, wie ging es weiter?

„Es machte immer mehr die Runde und es kamen wildfremde Leute auf mich zu. Eigentlich bin ich gar keine gute Verkäuferin. Irgendwann klingelt es immer und alle wollten Capes haben. Mit meinem ersten Verdienst bin ich dann ein halbes Jahr nach London zu Sotheby’s gegangen und wollte mich in mit Kunst und dem Kunstrecht beschäftigen. In dieser Zeit habe ich mein kleines Geschäft ein wenig schleifen lassen. Kam dann aber zum Hauptstudium vor acht Jahren nach Berlin.
Dann wollte ich es richtig angehen. Ein erster Schritt war es dabei die ästhetische Vorstellung zu übertragen. Auf eine Website, einen offiziellen Auftritt eben. Ich habe eine Freundin gebeten mir zur Seite zu stehen, die einmal gemodelt hatte. Eine andere kannte sich mit der Fotografie aus. Alles ging seinen Weg. Ich war eben neugierig und habe dann drei Jahre neben meinem Studium Capes verkauft und mich über meinen Agenten in Italien von Produzent zu Produzent gearbeitet.“

Was half dir vom Verkauf neben dem Studium ein richtiges Business aufzubauen?

„Nach meinem ersten Examen veränderte sich glücklicherweise der Markt. Damals in 2014 stieg die Nachfrage nach dem Cape, der Form, an sich. Ein Trend eben. Es rief die Elle und weitere Magazine. Alles war so verrückt! Dann lies ich Jura sein und wollte weitermachen mit dem Cape Mädchen, denn ja es wurde rentabel. Es ging nur Bergauf! Jede Marke machte zwar Capes, aber die Konkurrenz belebt eben das Geschäft. Das machte zudem das Objekt sichtbar. Einen wirklicher Fokus auf Capes gab es zuvor in der temporären Mode nicht so wirklich. Mein Beschluss stand also fest. Ich stelle Mitarbeiterinnen ein und baute ein kleines Team auf.“

Sprich anders als in der großen und von Zahlen, Metriken und Prognosen getrieben Welt der Start Ups hast du dich dem organischen Wachstum hingegeben und auf dein Produkt vertraut?

„Ich bin in all das reingewachsen. Nein, ich hatte kein Businessplan! Ich wusste es gibt eine Nachfrage. So habe ich das Geld, was ich eingenommen habe immer wieder in die Produktion neuer Capes gesteckt. Ich habe 200 verkauft und konnte 300 neue produzieren. Ganz organisch eben.“

Bei Josephine war es ganz im Gegenteil zu anderen Unternehmen ein Projekt, was sie aus Leidenschaft und Neugier voller Mut begann. Es gab keinen Businessplan oder Ideen, die anhand von Metriken entstanden sind um Erfolg zu garantieren. Sie hat sich der Nachfrage angepasst, den Markt beobachtet und natürlich auch ein wenig Glück gehabt – das gehört dazu! Auch wenn alles so romantisch klingt, ist es nicht immer einfach. Oder?

„Die letzten Jahre habe ich gemerkt, dass ich einen Businessplan hätte gebrauchen können. Ich habe Mitarbeiter eingestellt und musste diese auch wieder entlassen. Kosten und Verantwortung sind nicht immer einfach zu handhaben, wenn man in Abhängigkeit zu den Verkäufen steht. Alleine kann ich gut damit mitgehen und kalkulieren. Ich bin ein Quereinsteiger und freue mich auf all das was kommt. So oder so! „

Jetzt aber erst einmal Kleider. Wie kam es zu deiner neusten Kreation der Cape Mädchen-Kaftane?

„Ich wollte etwas anderes machen. Mit diesem Gedanken stand ich da. Eigentlich habe ich das Kleid für mich entworfen. Es war aber auch große Neugier und die Frage, was einem abgekauft wird im metaphorischem Sinne. Es ging darum das Universum des Cape Mädchens ein wenig zu erweitern. Es musste allerdings etwas sein, was auch den Cape-Eigenschaften von Größenlosigkeit entspricht und so einen wirklich großen Frauenkreis anspricht.“

Wie war der Prozess hier im Detail?

„Ich wollte unbedingt ein Kleid machen und habe sehr lange noch am dem eigentlichen Cape gehangen. Habe Archive durchgeschaut, was es alles für Cape-Variationen gibt. Der Gedanke fühlte sich dann irgendwann wie ein Korsett an. Dann hatte ich eine grobe Idee und habe mit einer wunderbaren Designerin aus Paris zusammengearbeitet.“

Was sind deine nächsten Schritte, jetzt wo du dich von dem Korsett befreit hast und die Bestätigung hast, dass deine Kunden auch Kleider lieben.

„Broschen. Ich habe eine befreundete Goldschmiedin in Mexiko. Versilbert oder vergoldet in zwei Größen. Diese gibt es zum Herbst als kleines Extra für die Capes. Die Idee entstand auch hier aus der Nachfrage heraus. Viele Kundinnen wollte wissen, wie man das Cape festmachen oder schließen kann. Es macht Spaß mit einem Künstler zusammenzuarbeiten und gemeinsam neues zu erkunden „

Was hat es denn mit den Objekten auf sich, wie du sie nennst?

„Ich bin ein ganz großer Keramikfreund, schwere Gefäße und Vasen machen mir total Spaß. Ich mag gerne Gefäße als Form, ich bin ein sehr skulpturaler Mensch. Vor ein paar Jahren habe ich gemeinsam mit meiner Mutter begonnen regelmäßig nach Istanbul zu fahren. Anfangs stolperten wir aber erst einmal über verschiedene Ikatstoffe einer alter usbekischen Textiltechnologien. Dabei werden Stoffe nicht geprintet sondern die Faden werden vorgefärbt und dann vernäht. Diese fanden wir so toll und es entstanden Kissen. Auch hier war die Nachfrage groß und wir haben mehr produzieren lassen. So kam es. Anschließen haben wir wundervolle Schüsseln gefunden, gefertigt von Russen in den 60er Jahren. Ein Kulturgut  Usbekistans. So wie sie hier stehen sind sie über 40 oder 50 Jahre alt, haben alle ihren kleinen Macken und sind somit ein Original und Teil der Objekte.“

Wie schafft du es deinen Kunden den Wert all dessen über eine Website oder Online Shop zu vermitteln?

„Ich glaube, dass viele Kunden hier allein wegfallen, weil der Trend des Minimalismus überlegen ist. Es kommt auf die Liebhaber an, Menschen die es wirklich schätzen wissen.“

So wurde auch während der Shootings für die neue Produktreihe der Objekte entsprechende auf eine visuelle Sprache wertgelegt, die die Leidenschaft transportiert. Wir können gespannt sein, wohin der Weg  des Cape Mädchens führt. Eines ist aber auch klar, wir müssen uns gedulden, denn Josephine lebt ihr Projekt und Produkt. Nichts ist geplant. Alles wächst organisch und aus Leidenschaft zu den Dingen und der Ästhetik selbst. So hat Josephine unabhängig zum Cape Mädchen mit ihrer Muttern angefangen Dinge zu sammeln, die sie eben beide gerne mögen. Stoffe, Porzelan, Schmuck. Dieses Projekt lief lange unter dem Namen Edition Etc und wird nun in das Universum des Cape Mädchens einfließen. Online erhältlich ab dem 15. Juni 2018.

Wir freuen uns auf mehr von dir, liebe Josephine. Von deinen Objekten und natürlich Capes. Merci für das ehrliche Gespräch und den Mut, den du uns allen mit deiner Art und Weise des Unternehmens machst.

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www.dascapemaedchen.com

@dascapemaedchen_official

info@dascapemaedchen.com

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Merci an die wunderbare Fotografin und Kreative hinter dem hier eingebauten Bildmaterial, Nadine Renneisen.